85. Landesfilmfestival – Untermarchtal – Bericht + Bilder

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Ein Filmfestival – wieder im Kloster

  1. Landesfilmfestival im Bildungsforum des Klosters Untermarchtal

Die Vorgeschichte: Ein Ausrichter wurde für dieses Festival nicht gefunden. So musste an eine andere Lokalität gedacht werden. Die Landesverbands-Vorstandschaft traf sich und dachte intensiv nach. Der Schatzmeister und Regionsleiter Rolf Sigmund fragte schließlich: „Soll ich in Untermarchtal nachfragen, ob noch etwas frei ist. Ich würde wieder mit meinem Team das Festival ausrichten?“ Das begrüßten alle. Und so wurde im Dezember 2019 der Termin auf 15. und 16. Februar 2020 festgelegt. Andere Termine waren nicht mehr frei. Für die vorausgehenden Wettbewerbe war jetzt großer Zeitdruck angesagt, damit das Festival in Untermarchtal stattfinden konnte. 

Das Festival: Alle haben es geschafft. 36 Produktionen qualifizierten sich. Im Festival-Programm waren sie in 5 Projektionsblöcke eingeteilt.

Auch für Rolf Sigmund war es eine Riesenaufgabe, in so kurzer Zeit die Organisation zu bewältigen. Sein Vorteil war, dass ihm die Entscheidungsträger im Bildungs-Forum bekannt waren und über die Mitarbeit seines Teams der Region Süd-Ost sicher sein konnte. Dieses Festival war das Siebente, das er mit diesem Team ausrichtete. Es waren Klaus Bellermann mit seiner Frau, Sigurd Heimann und Christel Herold. Des Weiteren machten aus Backnang Gaby + Wolfgang Wergowski mit.

Die Technik war wieder mit den bewährten Landesverbands-Mitarbeitern Gerd Böhler und Lutz Schulmeyer besetzt. Beim Eintritt in den Projektionssaal erhielten die Besucher ihren Stimmzettel für die Publikumswertung. Werner Rothenöder wartete indes im Hintergrund, um die ausgefüllten Stimmzettel nach jedem Projektionsblock auszuwerten.

Unser Landesvorsitzender Walter Reichhart konnte die zahlreich aus ganz Baden–Württemberg angereisten Filmfreunde begrüßen. Gespannt warteten alle auf den Start des Wettbewerbes. Davor wurde die Jury vorgestellt. Der Juryleiter war wieder Lutz Schulze aus Weilheim. Dazu kamen die Jurorinnen Eva Schulmeyer aus Ludwigsburg und Anna Leippe aus Stuttgart. Die Juroren Jürgen Reiling aus Freiberg, Wolfgang Görner aus Bietigheim und Prof. Dr. Fritz Dannenmann aus Lichtenstein vervollständigten die Jury.

Christel Herold moderierte die Wettbewerbs-Beiträge an. Mit dem Film `Auf den Spuren der Vergangenheit´ von Rudi Ratzka legte der Wettbewerb los. Nach etwa einer Stunde war der erste Block gelaufen. Die Jury nahm ihre Plätze vor dem Publikum ein und diskutierte über die ersten sechs Filme. Aus verschiedenen Wettbewerben kannten sich der Juryleiter und die Juroren bereits. So war das `du´ als Ansprache untereinander selbstverständlich.
Nach dem Zitieren eines weisen Spruches, den Lutz Schulze in seinem Zimmer bei der Anreise gefunden hatte, gab er das Podium frei für die Meinungen der Juroren zu den gesehenen Filmen. Es wurde gleich vom ersten Block an sachlich und konstruktiv diskutiert. Jede und jeder machten sich die Mühe, Positives lobend herauszustellen und das Negative in aufmunternde Worte zu kleiden und wenn möglich auch eine Lösung zu skizzieren. Auch der Juryleiter beteiligte sich an der Diskussion. Man hörte gerne und aufmerksam zu.

Nach jeder Jurydiskussion folgte eine Kaffee- und Getränkepause mit Kuchen und belegten Brötchen aus der Klosterküche. Klaus Bellermann und seine Frau meisterten die Bereitstellung, die Ausgabe und den Nachschub hervorragend. Die Besucher ließen sich die Köstlichkeiten schmecken und unterhielten sich gerne an den Stehtischen. Mehrmals konnte man die Feststellung hören: „Hier fühlen wir uns wohl und haben beste Voraussetzungen für unsere Wettbewerbe, ideale Projektionsmöglichkeiten und die Gelegenheit zum Gespräch wie auch zum geselligen Beisammensein. Alles ist unter einem Dach, inclusive Verpflegung und Hotel“.

Aber auch gearbeitet wurde, während andere Pause machten. Werner Rothenöder tippte die Wertungen aus Zetteln, die die Zuschauer abgegeben haben in den Computer ein. Das Technikteam prüfte, ob in ihrem Computerprogramm der nächste Filmblock zur Vorführung bereit war. Gaby und Wolfgang Wergowski, sowie Sigurd Heimann stellen sich mit neuen Wertungszetteln an den Türen auf, damit jeder der wieder über die Türschwelle in den Projektionssaal trat, auch gleich den Stimmzettel für den neuen Block erhielt.

Nach der Projektion des dritten Blockes und der Jurydiskussion war das Soll des ersten Tages erfüllt. Für alle, die sich hier einquartierten, war Kirchenführung und Abendessen angeboten. Wer danach noch Lust zum geselligen Beisammensein hatte, konnte in der Kellerbar Gleichgesinnte finden.

Pünktlich startete die Fortsetzung des Wettbewerbes am zweiten Tag. Vormittags der vierte und nachmittags der fünfte Block.
Die Jury vergab dreizehn 3. Preise, achtzehn 2. Preise und fünf 1. Preise. Bester Film des Wettbewerbs war `alter Glaube in neuer Heimat´ von Frank Melchert. Am Ende des Festivals konnte er nochmals jubeln, denn sein zweiter Wettbewerbsbeitrag `Clubabend´ wurde vom Publikum zum besten Film gewählt. Glücklich darüber diktierte er einem Zeitungsreporter in die Feder:
„Für meinen Film `alter Glaube in neuer Heimat´ bin ich mit meiner Frau nach Estland gefahren. Dort haben wir am Peipussee an der Grenze zu Russland eine Woche mit Menschen verbracht, die einer alten Variante des russisch-orthodoxen Glaubens angehören und in kleinen Dörfern in einfachsten Verhältnissen leben. Der Religionsstreit, der ihre Vorfahren vor langer Zeit aus Russland vertrieben hat, war ausgebrochen, weil diese die ursprüngliche Form der Bekreuzigung mit zwei Fingern beibehalten und sich nicht der neuen Form mit drei Fingern angeschlossen haben. Nun haben sie in Estland am alten Glauben festhaltend eine neue Kirche aufgebaut“.

Weitere Sonderpreise wurden vergeben:
Bemerkenswerter Reisefilm: `Erlebnis Island´ an Lothar Bogsch, Filmclub Teck.
Bemerkenswerter Naturfilm: `Der Umzugsspezialist´ an Günter Vlieckx und Reinhold Mall, Filmclub Singen-Radolfzell und Filmclub Biberach.
Lehrreichster Film: `Madeira – Wasser für alle´ an Dr. Falk Auer, Filmclub Lahr.
Silberne Schere: `Aus ganz besonderem Holz´ an Werner Henne, Reutlinger Filmclub.
Käthchen von Heilbronn: Wurde nicht vergeben, weil kein entsprechender Film am Wettbewerb teilnahm.

Die Autoren und Besucher waren zufrieden. Das Festival im Kloster war wieder ein Erlebnis.
Unser Landesvorsitzender Walter Reichhart bedankte sich ganz herzlich bei Rolf Sigmund und seinen Helfern, sowie bei der Technik, der Jury und allen weiteren Mitarbeitern.

Nach der Verabschiedung der Autoren und Festivalbesucher setzte sich ein Team zusammen, um die Weitermeldungen zu den Bundes-Filmfestivals festzulegen. Die kompletten Wettbewerbsergebnisse einschließlich der Weitermeldungen sind auf der Homepage unseres Landesverbandes www.bdfa-lvbw.de einsehbar.

Das nächste Landes-Filmfestival ist die 36. VIDEOGRAFIKA am 30. Okt. und 1. Nov. 2020 im Milchwerk in Radolfzell. Schon jetzt herzliche Einladung.

Helmut Kohlhammer


Bericht der Schwäbischen Zeitung (klicken)

Jury: L. Schulze (Juryleitung), Prof.Dr. F. Dannenmann,
A. Leippe, E. Schulmeyer,
J. Reiling, W. Görner
W. Reichhart, F. Melchert F. Melchert, W. Reichhart,
A. Melchert
Alle Fotos: Friedrich Hog – Schwäbische Zeitung