Nachruf – Ruth Lohrfink

Eine außergewöhnliche Filmautorin ist Ende Dezember im Alter von 92 Jahren von uns gegangen.

Ruth Lohrfink hatte schon früh eine Leidenschaft fürs Filmen. Zuerst an der Seite ihres Mannes, Erich Lohrfink, unserem unvergessenen Vorstand und langjährigen Schatzmeister des LVBW. Nach dessen Tod 1997 begann sie selbst Filme zu machen. Gleich ihr erster Film „Mein Gartenteich ganz nah“ war auf Landes- und Bundesebene erfolgreich.

Ab 2000 spezialisierte sie sich auf die neue Makrotechnik. Mit unendlicher Geduld beobachtete sie winzig kleine Lebewesen mit der Kamera; tage- und nächtelang, um den perfekten Moment nicht zu verpassen. Es gelang ihr, die sonst eher als Schädlinge bekannten Insekten mit Effekten und kleinen Geschichten so interessant darzustellen, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Juroren begeistert waren. Preise auf Landes- und Bundesebene waren ihr sicher. Unvergessen: „Ein ganz lausiges Märchen“, „Die Kinderstube der Florfliege“, „Uns kennt fast keiner“ und viele mehr.

Mit 81 Jahren wurde sie von der Robert-Bosch Stiftung mit dem Ehrenpreis für „Kreativität in den neuen Medien“ ausgezeichnet. Der Preis war verbunden mit einer Einladung zum Festakt nach Baden-Baden. Moderator war Frank Elstner, ihr Laudator Ranga Yogeshwar. Im Anschluss daran brachten die Tageszeitungen Berichte über Ruth Lohrfink. Selbst ein Team vom SWR besuchte sie und sendete ein ausführliches Interview in der Abendschau.

Ihre filmische Bandbreite ist beachtlich. Neben Familien- und Reisefilmen fand sie viele Themen in und um Esslingen, dokumentierte alleine oder mit Clubkameraden besondere Ereignisse.

Noch in ihrem 86. Lebensjahr filmte sie im Jazzkeller Stuttgart das „Alvin Mills Project“.
Der Jazz-Bassist stellte seine erste CD vor. Aus dem Gesamtfilm fertigte Ruth einen Video-Clip für den Wettbewerb, eine Silber-Medaille war wieder gesichert.

Mit der Zeit wurde Ruth Lohrfink immer mehr zur absoluten Spezialistin für Casablanca. Viele Filmfreunde fanden bei ihr Rat und Unterstützung. Noch bis wenige Wochen vor ihrem Tod arbeitete sie jeden Mittwoch mit einem Clubmitglied dessen alte Reisefilme auf. Ganz nebenbei vermittelte sie ihm noch die Schnitttechnik mit Casablanca.

In den Filmclubs des Landesverbandes war sie eine gerne gesehene Gastautorin.
Auch in ihrer Wohnanlage und anderen sozialen Einrichtungen freute man sich immer auf ihre Filmnachmittage.

Filmen, Filme machen und darüber sprechen war ein Lebenselixier für sie.
Durch ihre besonderen Filme bleibt sie bei uns und vielen anderen Filmfreunden in bester Erinnerung.

Ruth Lohrfink wird uns fehlen.
Im Gedenken – Lore Pfeiffer